In den Instagram Stories hatte man vor wenigen Wochen die Möglichkeit, ein Wunschthema für einen Blog Artikel abzugeben und das erste ist nun: Raumverwaltung.

Nicht nur, dass es als erstes genannt wurde – nein. Gestern sah ich durch Zufall eine Erklärung eines Hundetrainers zum Thema „Beschwichtigung des Hundes ggü seines Menschen“ und in diesem Bezug ging es ebenfalls um die Verwaltung von Raum und Ressourcen.

Dieser Hundetrainer deutete diese Beschwichtigung (ducken, züngeln, …) ggü seines Menschen als „Der Hund akzeptiert Deine Ansage und hinterfragt diese nicht mehr.“ 😳 WHAT???

Wollen wir uns zuerst mit der Frage beschäftigen: Wann zeigt der Hund Beschwichtigungssignale?

-> wenn er sich bedroht fühlt

-> wenn er sich überfordert / gestresst / unsicher fühlt

Eine Beschwichtigung – wie es das Wort schon sagt – hat doch nichts mit der Akzeptanz von Grenzen zu tun!

Ganz im Gegenteil! Je nachdem welches Signal der Hund zeigt, ist er so verunsichert / verängstigt und bittet selbst um mehr Raum, da er sich selbst nicht traut sich diesen zu nehmen.

Das Bild „Hundesprache mit Boogie“ zeigt es deutlich: das Abwenden mit dem Kopf oder dem Körper – eine respektvolle Haltung – und im Gegensatz die geduckte Haltung in Kombi mit Züngeln und „Wal-Augen“.

Wenn Dein Hund Dir gegenüber diese beschwichtigende Signale zeigt, war Dein Auftreten zu „intensiv“ – um es mal vorsichtig zu formulieren.

Das wollte ich erstmal los werden.

Nun zum eigentlichen Thema „Raumverwaltung“

Raumverwaltung gehört für mich – ebenso wie das Setzen von Grenzen – zur Grunderziehung des Hundes. Ein Welpe ist mit einer grenzenlosen Freiheit maßlos überfordert und diese Überforderung führt unweigerlich zu Verhaltensauffälligkeiten.

Kleiner Exkurs:
Es gibt Ansätze von „Natural Leadership“ (so oder so ähnlich), die mit dem Alpha Prinzip verdeutlichen möchten, dass der Welpe einem auch ohne Leine von selbst folgt. Das mag in der ersten Zeit auch so sein – da es genetisch verankert ist und hat mit Alpha bzw. Dominanz Gehabe überhaupt nichts zu tun. Werden die Welpen älter und zeigen erstes Erkundungsverhalten, wird es schon schwieriger dieses „Leadership“ Prinzip einzuhalten – ohne entsprechende „Maßnahmen“ einzufügen.

Wenn wir schon beim Thema Welpen und Raumverwaltung sind:
Welpen haben andere Raumbedürfnisse als adulte Hunde. Beim Welpen ist man anfangs immer im selben Raum und baut langsam auf, dass der Welpe in diesem alleine bleiben kann – oder Frauchen / Herrchen auch mal alleine kurz ins Bad kann. Verabschiede Dich von dem Gedanken, Dir einen Welpen zu holen und paar Tage später bei geschlossener Bad Tür für 2 Stunden in der Badewanne abzutauchen. Da ist das Trauma vorprogrammiert.

Da gerade bei Welpen vieles zu beachten ist, lasse ich dieses erstmal beiseite -> hier wäre vielleicht meine Welpenfibel etwas für Dich.

Wofür braucht man Raumverwaltung?

Das fängt an bei: Essen stehen lassen können, Platz auf der Couch / im Bett, Besuch empfangen können und die Begrüßung, …. Usw.

Quasi in jedem Bereich gibt es Raumverwaltung.

Kann man diese freundlich aufbauen?

Ja, natürlich. Nehmen wir doch mal das Beispiel „Besucher begrüßen“:

Früher sagte man „Ramm dem Hund Dein Knie in den Magen, wenn er an Dir hochspringt.“ 😩 Nein, das ist nicht freundlich. Zum einen müssen wir natürlich verhindern, dass der Hund das unerwünschte Verhalten zeigen kann – damit es sich nicht weiter festigt. Zum anderen müssen wir dem Hund zeigen, was alternativ erwünscht ist und genau darauf legen wir den Fokus – auf das positive, was erwünscht ist und gestalten entsprechend die Situation, damit der Hund diese auch bewältigen kann. Zuhause bedeutet das, dass wir an Geschirr mit Hausleine nicht dran vorbei kommen. Denn wenn Du erst mal Kraken mäßig nach Deinem Hund schnappst und packst, was Du situativ erwischen kannst, tut das euch beiden körperlich weh und die seelischen Folgeschäden beim Hund, welche Auswirkungen auf eure Bindung haben, werden erst später sichtbar.

Wie kannst Du nun vorgehen?

Bestenfalls hast Du bereits das „Klingel Training“ absolviert

Wenn nicht, kann ich Dir das nur empfehlen, damit mehr Ruhe und Entspannung rein kommt. Reines Management wäre vorerst: es klingelt, Du nimmst Deinen Hund an der Hausleine, gehst mit ihm zur Tür und lässt den Besuch herein – es findet zwischen Besuch und Hund kein Kontakt statt (bestenfalls auch den Hund nicht einmal anschauen) und ihr geht zusammen wieder rein. Der Besuch setzt sich, Du bringst Deinen Hund auf seinen Platz – gibst ihm auch das Signal dafür – und Du gehst zu Deinem Besuch. Kann Dein Hund nicht auf seinem Platz bleiben, geselle Dich erstmal zu ihm, bis die erste Aufregung verflogen ist und gehe dann wieder zu Deinem Besuch (ihr befindet euch alle im selben Raum – möchte ich nur sicherheitshalber erwähnen). Hat sich Dein beruhigt und liegt entspannt auf seinem Platz, geh zu ihm hin, gib die Freigabe um den Besuch begrüßen zu dürfen – halte die Hausleine um einen evtl. „Überfall“ seitens Deines Hundes verhindern zu können. Dreht Dein Hund beim Begrüßen wieder auf, breche die Interaktion sofort ab und bring Deinen Hund umgehend wieder auf seinen Platz. Aufgabe: mehrfach wiederholen. Kommt durch die Wiederholungen allmählich Ruhe rein, beginne auch den Anfang – die Situation an der Tür, wenn der Besuch herein kommt – mit einer entsprechende Ruhe zu Verknüpfen und irgendwann wirst Du Deinen Hund auf Deinen Platz schicken und dann erst den Besuch herein holen. Dieses Vorgehen dauert eben länger, da es mehr Management beinhaltet als Training. Der schnelle Weg geht über den Selbstlernkurs.

Ich hoffe, dass ich Dir hiermit weiterhelfen konnte.

Liebe Grüße

Verena

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