Gerade dieser Tage bekam ich eine Anfrage von einem Hundehalter einer Arbeiterrasse und er wollte so sehr verdeutlichen, dass er seinen Hund auslastet – ihm wahrlich alle Bedürfnisse versucht zu erfüllen. Es war ihm unerklärlich, weswegen sein Hund so unausgelastet und „Trieb stark“ ist, das war ihm sehr arg … denn mehr Zeit konnte er inzwischen auch nicht mehr investieren, um den Hund auszulasten.

Das ist keine Seltenheit. Dieses „Dogma“ hält sich – ebenso wie die Dominanztheorie – sehr hartnäckig. Als ich zusammen mit dem Hundehalter mal Arbeiterrasse genauer betrachtet hatte und wie viel Arbeit diese Hunde tatsächlich leisten, kam er allmählich darauf worauf ich hinaus wollte. Mir persönlich ist diese Variante am Liebsten, wenn „der Hundehalter“ selbst, durch eigene Erkenntnis, auf das Ergebnis kommt. Denn hier haben wir, genau wie beim Hund im Training, einen besseren – anhaltenden – Lerneffekt. Wenn ich nur das Ergebnis vorgeben würde, ohne Hintergründe, würde es sich „dem Hundehalter“ nicht erschließen und einfach blind dem Folgen, was ich vorgebe.

Was war nun das Ergebnis?

Fehlende Ruhe!

Da dieser Hund nie gelernt hatte zu entspannen bzw. seinem Ruhebedürfnis nachzukommen, mussten wir es ihm erst wieder beibringen. Das schwierige dabei war, dass der Hund auf einer gewissen Erregungslage hängen blieb. Dabei gingen wir wie folgt vor:

  • Wir fuhren mehrgleisig:
    – zum einen wurde die körperliche Beschäftigung Stück für Stück runter gefahren
    – damit nun kein Frust aufkommt, wurde die körperliche Auslastung durch kurze Einheiten (paar Minuten) Nasenarbeit ersetzt. Es waren wirklich nur paar Minuten, da es dem Hund sichtlich schwer fiel kontrolliert / fokussiert zu arbeiten (Spuren ausarbeiten). Bislang folgte er nur kopflos einem Impuls beim Ball Spiel.
    – wie bei einem Welpen wurde das „an einem Ort bleiben und runter fahren“ via Hausleine trainiert
    => die erste Zeit war wahrlich kein Zucker schlecken, da der Hund – wie ein Drogen Junkie – abhängig war von dem körpereigenen Hormoncocktail, welcher durch das Ball & Frisbee Spiel ausgelöst wurde und forderte diese auch ein
    – darauf aufbauend führten wir die Veränderung und das Training langsam fort (Alltag Struktur, Impulskontrolle, Grenzen setzen, Entspannung, …)

Worauf will ich nun mit diesem Einblick hinaus?

Es bringt, je nach Fall, einfach nichts nur Entspannungen zu praktizieren / zu üben …. Den (reaktiven / impulsiven) Hund einfach zu zwingen herunterzufahren. Stell Dir vor ich würde Dich zwingen nach einer 40-45 Stunden Arbeitswoche direkt zu meditieren und abzuschalten. Für Ungeübte ist das einfach nicht möglich.

Welche aktiven Entspannungstechniken gibt es nun?

Allgemein zu beachten, bei jeder Entspannungstechnik, ist, dass der Hund die Entspannung mit seinem Menschen verknüpfen kann. Das heißt, je nach Grad der Entspannung fängt man an, dass man neben dem Hund sitzt / liegt, damit dieser entspannen kann und baut dann allmählich Distanz auf. Ansonsten kann der Hund nur entspannen, wenn Du neben ihm bist.

  • Aromatherapie
    Wenn Dein Hund am Entspannen ist, kann man diesen Zustand mit einem Duft konditionieren. Du kennst das vielleicht in der Form: Du riechst z.B. frisch gebackenen Apfelkuchen und fühlst Dich direkt in Deine Kindheit versetzt, denkst an Deine Oma, fühlst Dich geborgen usw.
    Hierfür kannst Du mit einem Diffusor arbeiten oder einem Spray, Halstuch mit Duft …
  • Tellington Touch
    Beim TT wird das parasympasthische Nervensystem aktiviert und dadurch fährt der Hund runter. Es gibt verschiedene Bewegungen und zusätzliche Möglichkeiten wie das Körperband.
  • RelaxoDog / RelaxoPet
    dieses kleine Teil finde ich bombastisch, es hilft sogar mir mit ADHS, runterzufahren. Genau wie die Aromatherapie gehört diese Form zur konditionierten Entspannung und muss erst aufgebaut werden über mehrere Wochen. Der Vorteil – auch bei einem Entspannungswort – ist, dass man es leicht mit nach draußen nehmen kann. Bevor es den RelaxoDog gab, hatte Fips als Entspannung das Anhören von TKKG oder Drei ???. Als wir noch regelmäßig in Köln waren zur Ausbildung und Fips während diesen Wochenenden im Auto warten musste, hatte ich ein altes Handy dabei und hierüber liefen die Hörspiele. Das hatten wir ganz leicht aufgebaut, da wir abends immer zum Einschlafen diese anhören.
  • Massage
    wer mag es nicht?! Eine sanfte, angenehme Massage kann Wunder wirken. Gerade nach einem langen Spaziergang ist es eine Wohltat für die Pfötchen Deines Hundes.

Welche zusätzlichen Maßnahmen gibt es, um Entspannung herbeizuführen?

Wie im Eingangstext bereits erwähnt, wird man gerade bei den arbeitswütigen Rassen wie Schäferhund, Border Collies, Staffordshire, Husky, … eben die mit viel Energie) darauf hingewiesen, dass man diese ja auslastet, sonst werden sie zu einem Problem und suchen sich ihre Aufgabe. Jedoch wird zu viel eben auch irgendwann schädlich und da diese Rassen gerne zum „zu viel“ neigen und kein gesundes Maß kennen, müssen diese „high-Energy“ Hunde von Anfang lernen, runter zu fahren! Bestenfalls lernen diese zuerst Ruhe / Entspannung und dann das Arbeiten / Hochfahren. Inzwischen weiß man auch, dass Hunde schneller altern durch die stetige Überforderung der Gelenke.

  • Weniger körperlich Auslastung
    Genau wie ein Sportler gewöhnen sich Hunde an die Dauer der Auslastung. Dadurch wird das heutige Training das Warm-Up von morgen => der Hund braucht immer mehr und mehr um ausgelastet zu sein. Fatal ist in dem Fall, dass bei Action und vielen Eindrücken Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die sich nur langsam (teilweise erst über Tage hinweg) wieder abbauen. Kann der Hund in folge dessen nicht (mehr) genug entspannen und Eindrücke verarbeiten, wird es seinem Körper irgendwann zu viel und er entwickelt Krankheitssymptome oder zeigt unerwünschtes Verhalten (Problemhund). Viele haben dadurch schnell den Eindruck, dass der Hund noch mehr Auslastung / Bespassung braucht, um ENDLICH müde zu werden…. NO! Das Gegenteil ist der Fall: Ein Hund braucht 17-20 Stunden Ruhe am Tag. Wirklich! Titus ist – und wird es wohl auch immer bleiben – ein „high-energy“ Hund. Er konnte nicht mehr runterfahren, geschweige denn einen Spaziergang nicht rennend absolvieren. Heute liegt er locker 20 Stunden am Tag ruhig & gemütlich herum. Bei der Ruhephase ist auch zu beachten, ob der Hund wirklich schläft (Tiefschlaf), döst (Stress dösen?) oder ruht.
    -> manchen Hunden hilft es auch zum Runterfahren, über mehrere Stunden allein zu bleiben. Denn mit Frauchen / Herrchen haben sie oftmals Aktivsein verknüpft und sind daher ständig am schauen, wann es endlich los geht – wann wird man angesprochen / sprichwörtlich „aktiviert“.
  • Mehr Denksport
    Die Mischung macht’s! Der Hund braucht neben der körperlichen Auslastung auch etwas fürs Köpfchen. Vor ca. 1,5 Jahren hatte ich eine Terrier Hündin im Training, die zuhause nichts mehr essen wollte. Die Hündin fühlte sich unterfordert. Sie wollte arbeiten. Nachdem ihr Frauchen mit Futter-Suchspielen anfing, war die Terrier Hündin die beste Esserin 🙂 Auch während den Spaziergängen kann man zum Bindungsaufbau super gut Schnüffelspiele integrieren. Das Schnüffeln beruhigt den Hund, baut Stress ab und lastet aus. Zudem lernt der Hund ruhig und kontrolliert zu arbeiten. Trickdogging ist auch eine super Möglichkeit, das Köpfchen vom Hund zu beanspruchen. Achte hierbei darauf, dass Du nicht zu großschrittig vorgehst, damit bei Deinem Hund nicht wieder Erregungslage steigt. Gerade für unsichere oder gar Angsthunde ist das hervorragend für den Aufbau einer Vertrauensbasis und später fürs Medical Training mega gut.
  • Stimmungsübertragung / Spiegelung
    Wenn der Mensch gestresst ist, ständig eine Gassi Runde nach einer Flucht ausschauen lässt … wie soll der Hund dabei entspannen können? Nimm auch Dich selbst in den Fokus der Betrachtung um herauszufinden, inwieweit Du mitwirken kannst. Herzkohärenz Übungen kann ich nur empfehlen. Fördert auch die Schlaf Qualität.

    Titus bekam eine zeitlang 3% CBD Öl, damit ich einen „Fuß in die Tür bekam“. Nachdem man zwischenzeitlich weiß, dass CBD negative Auswirkungen auf Organe hat, setzte ich es wieder ab. Die Gesamtdauer der Gabe waren damals in etwa 3 Monate. Das CBD Öl teste ich auch an mir selbst und hatte am Tag der Einnahme ein so heftiges emotionales Tief, dass ich es nie wieder nahm. Das kann bei Deinem Hund auch passieren.
    CBD Öl hat durchaus Vorteile, sogar sehr vielseitig. Besprich die Einnahme jedoch mit dem Tierarzt.
  • Kräutermischungen oder Bachblüten
    Die Wirkung von Kamille, Lavendel oder Baldrian ist uns allen bekannt und wirkt ebenso beim Hund. Es gibt sogar verschiedene Mischungen für die Nerven oder den Darmtrakt – denn auch Magen-Darm-Probleme können zu Unruhe führen und sind diese behoben, gehts auch dem Hund wieder besser. Betrachte Deinen Hund ganzheitlich und welche Faktoren mit einfließen können.
    Bachblüten können ebenfalls unterstützend wirken.
  • My Home is my castle
    Hat Dein Hund ein Plätzchen, an dem er sich wahrhaftig pudelwohl fühlt, an dem er nicht gestört wird, an den er sich zurück ziehen kann? Das ist enorm wichtig. Jeder braucht einen Ort für sich und dieser liegt optimalerweise nicht im Flur – durch den jeder läuft und man immer wieder gestört fühlt, aber auch nicht zwingend abseits von der Gemeinde, so dass man sich ausgeschlossen fühlt. Schau einfach, welche Örtlichkeit Dein Hund öfters aufsucht (wo legt er sich hin) und dort richtest Du ihm sein Plätzchen ein. Das kann eine Box sein, ein gemütliches Kissen (orthopädisch zur Unterstützung der Gelenke). Bestenfalls hat Dein Hund in jedem Zimmer ein Plätzchen, damit er sich auch wirklich zugehörig fühlen kann, wechseln kann je nach Bedürfnis der Ruhe etc.
  • Ruhedecke
    super Sache um die erlernte Entspannung mit nach draußen nehmen zu können, z.B. Restaurant

Hast Du Fragen zu Deinem Hund und seiner Entspannung? Schreib mir gerne

Liebe Grüße

Verena mit Fips und Titus

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