Wohin gehen wir?

Die Arbeit als Dogwalker oder die Hundebetreuung im allgemeinen wird immer noch als Hobbygeschäft dargestellt – noch mehr als der Beruf des Hundetrainers. Der Wirtschaftsfaktor „Hund“ bringt dem Staat mehrere Milliarden Euro (http://www.sueddeutsche.de/panorama/heimtierhaltung-in-deutschland-hund-katze-co-treiben-die-wirtschaft-an-1.2221797).

http://www.zukunft-heimtier.de/typo3temp/pics/Hundesteuer_im_Zeitverlauf_06c1b074e5.jpg

 

Als wir damals unseren ersten Hund hatten, galt man als Snob wenn man zum Hundeverein ging (80/90er Jahre). Anbetracht der damaligen Trainingsform und der Veranlagung von Wespe bin ich mir im Nachhinein sicher, dass das nicht absolvieren einen solchen Trainings besser war.
Als ich Fips bekam (2009) war eine der ersten – neben dem obligatorischen „och ist der süß, ist ja noch ein Welpe“ – die Frage „In welche Hundeschule gehst Du denn?“ Nach nur kürzester Zeit fiel mir auf, welchen negativen Stempel die Gesellschaft für Hundehalter hatte, die nicht in eine Hundeschule gingen.
Mein Gedanke damals „Löblich“.

Wo stehen wir heute?
Nein, wir hatten keinen Fortschritt. Wir gehen zurück! Was ist in den letzten 5 Jahren passiert?
Ich gehe mit einer Gruppe von angeleinten Hunden spazieren, uns kommt ein fremder freilaufender Hund entgegen – oder sogar zwei – und die Leute sehen keinen Grund ihren Hund/e zurück zu rufen. Für mich ist erst mal Chaos angesagt, wenn ein freilaufender Hund in die angeleinte Gruppe rein rennt.
Oder ich stehe am Parkplatz und absolviere mein „Hunde steigen aus Ritual“. Ich will nicht, dass alle Hunde zugleich rausspringen – aus verschiedenen Gründen. Es kommt ein Auto angefahren, parkt neben mir, Fahrer steigt aus und öffnet Heckklappe. Ich hatte schon drei große Hunde an der Leine. Er lässt seine frei laufen und die kommen natürlich zu uns rüber. Das Auto beinhaltet vielerlei interessante Dinge – Futter, Spielzeug etc. Es wäre nicht die erste Situation, in der das Auto als Ressource gegenüber fremden Hunde verteidigt wird. In dem Fall waren es keine fremde Hunde, aber die Lage war dennoch angespannt.
Manche Hunde haben ein Problem mit Enge und brauchen ihre Individualdistanz – war in diesem Fall mit den anderen Hunden auch nicht gegeben.
Manche Hunde haben Schmerzen aufgrund HD, Bandscheibenproblematik, … und reagieren aggressiv wenn ein Hund auf sie zugestürmt kommt. Hätte es geknallt … No Chance!
Ein Mann mit einem jungen (!) Leonberger kommt uns entgegen. Ich hatte fünf oder sechs Hunde an der Leine. Beim aufeinander zu gehen erkannte ich, dass der Mann Schwierigkeiten mit dem Hund hat und ich laufe daher im Bogen – über den Acker – an den beiden vorbei. Als wir auf gleicher Höhe sind, springt der Leonberger in die Leine und der Mann hatte alle Mühe ihn festzuhalten. Meine Hunde sprangen auch in die Leine (Labradore, Retriever, Großer Schweizer … da kommt kg-mäßig was zusammen), aber sie taten es nicht massiv und sie ließen sich von mir steuern, so dass wir entspannt weiter gehen konnten.

Letztes Jahr hatte ich eine Anfrage für Wochenend-Betreuung, wurde bereits bei Kontaktaufnahme darauf hingewiesen: Hund sei problematisch / aggressiv, war schon mal in einer Betreuung und diese lehnte weitere Betreuung ab. Wir trafen uns, gingen spazieren und ich fragte mich non-stop: Wo zeigt der Hund „aggressives Verhalten“? Die Leute liefen seit dem öfters in meiner Gruppenrunde mit. Der Hund (kleiner Schnauzer-Mischling) zeigt schlichtweg sehr deutliche Körpersignale /-sprache und dazu gehört eben auch Knurren, Zähne zeigen & Co. Der Hund zeigte einfach sehr deutlich, dass er keinen Kontakt zu – speziell großen – Hunden haben möchte. Meine Hunde akzeptierten das und alle konnten entspannt laufen.
Grundlegend: Aggressionsverhalten gehört zur Körpersprache des Hundes -> siehe unten die Eskalationsleiter. Nur weil ein Hund diese Signale zeigt, ist er nicht gestört oder sonstiges und darf (!) vor allem dann nicht gemaßregelt werden durch Tritt in die Seite oder ähnliches. Übergeht man diese Signale des Hundes, lernt er nur noch deutlicher zu werden und der Mensch drängt den Hund schlichtweg die Eskalationsleiter weiter in den roten Bereich. Wendet Euch an einen geeigneten Hundetrainer, der mit Euch diese Situation angeht:
– Welche Ursache / was war der Auslöser (Angst, Unsicherheit oder gar Schmerzen)? Kann man Alternativverhalten mit einbringen? ….

Kommt zu der Ignoranz die vielen Hundetrainer im TV hinzu?… sind wir alle zu selbsternannten Hundetrainern geworden, aufgrund der absolut nicht repräsentativen zur Schaustellung? Eine solche Ignoranz zwischen den Hundehaltern ist mir noch nie begegnet! Die Hundehalter bekommen bereits von anderen Stellen einen steinigen Weg gepflastert. Da sollte man doch wenigstens unter sich mehr Rücksichtnahme erwarten können. Aber nein, wir machen es uns noch viel schwerer! Klar, wieso auch nicht .. einfach kann jeder. Pustekuchen! Wenn ich mir manchen Hundehalter anschaue und mit welcher Gleichgültigkeit sie mit ihrem Hund z.B.
– durch ein Wohngebiet laufen -> Leinenpflicht / privater Grund & Boden (Hund läuft da rein und pinkelt) / angeleinter Hund kommt entgegen und man kommt nicht mal dazu zu fragen „Soll ich meinen anleinen“, nee der Hund rennt schon voll mittenrein / „angetrunken“ mit dem Hund Gassi gehen, Hund reißt sich los und attackiert anderen Hund – Frau entschuldigt sich und meint lallend „Sorry, hatte den Hund nicht richtig angeleint“ -> hatte den Ring der Steuermarke erwischt und nicht den des Halsbands
– außerhalb von Wohngebieten werden Tiere gerissen oder schwer verletzt zurück gelassen. …

Leute, was soll das denn? Die Auslebung des Naturgesetzes „Der Stärkere gewinnt“? Die Würde eines jeden ist immer noch unantastbar – dazu zählt auch die Würde eines Tieres. Nur weil der Mensch nicht den Mumm in den Knochen hat, dürfen andere nicht darunter leiden.

Letzten Freitag, den 13.01.17, war ich morgens und mittags mit meiner Hundegruppe im Rheinauer Wald spazieren. Mittags zeigte einer der Hunde ein merkwürdiges Verhalten. Ich ging hin und sah einen gerissenen Hasen. Von einem Fuchs gehe ich nicht aus, denn der hätte den Hasen wohl eher mitgenommen und auch der Kadaver hätte anders ausgesehen. Schlussfolgernd wird es ein Hund gewesen sein. Das Blut war schon trocken. Ein abgerissenes Ohr, Fell stückweise abgerissen … Ich erspare euch den Rest. Bei unserer Morgenrunde kamen wir an selbiger Stelle vorbei – da war noch kein Hase. Also muss das zwischen 9:15 Uhr und 13:00 Uhr passiert sein. Da war das Forstamt – direkt anliegend zur dieser Wiese – noch besetzt und die hätten bei Meldung den Kadaver bestimmt abgeholt. Aber nein, das Tier wird verletzt liegen gelassen. Ich hatte keine Wut auf diesen Hund – ich schämte mich für meine Mitmenschen. Es kommen immer häufiger Meldungen, dass Hunde sogar Zäune überwinden um Schafe zu jagen bzw. verletzten … Was soll das denn?

 

Haben wir uns dahingehend verändert, dass sich der Mensch immer mehr für das Maß aller Dinge hält? Wo wir wieder bei Ignoranz wären. Ein Lebewesen wird angeschafft: man geht arbeiten – Hund wird schon irgendwie versorgt – bestenfalls. Sogar bei der Befriedigung von Grundbedürfnissen sind mir schon die haarsträubendsten Dinge erzählt worden oder ich wurde gar Zeugin dessen. Stellt Euch vor, jemand versorgt Euch über einen längeren Zeitraum mit 500ml Wasser und 500 Gramm Futter pro Tag + Eure „körperlichen Bedürfnisse“ werden vielleicht für 3 mal am Tag auf insgesamt maximal 1 Std getaktet. Keine schöne Vorstellung, oder? Jeder von uns ist mal krank und es fällt einem früher oder später die Decke auf den Kopf – uns fehlt die Auslastung, sowohl die geistige wie auch körperliche. Das Gehirn des Hundes ist genauso lernfähig wie unseres. Wird es gefordert und gefördert, kann man eine entsprechende Leistung abrufen. Wird es nicht gefördert, so verkümmert alles nach und nach.
Aber !
Die Grundleistung bleibt und die Grundbedürfnisse werden nicht absterben. Wenn der Hund keine Aufgabe bekommt, so sucht er sich selber eine. Und glaubt mir, diese Aufgabe gefällt Euch vermutlich nicht!

Die Menschen haben durch die Selektion verschiedener Kreuzungen / Mischlinge verschiedene Rassen geschaffen, deren individuellen Eigenschaften im Zusammenleben mit uns dienlich sein sollen. Was wiederum nicht heißen soll, den Hund als „Produkt“ zu sehen. Nein, im Gegenteil. Hunde haben in verschiedenen Bereichen mehr Möglichkeiten als wir oder die von Menschenhand erschaffene Maschinen haben werden.

Jetzt drifte ich zu weit vom Thema ab.

Zurück zu dem Bereich der mich tangiert.

Die Gesetzesänderung vom Paragraph 11 Tierschutzgesetz im Jahre 2014 brachte erst mal viel Chaos und Arbeit für die Ämter. Nach und nach kehrte etwas Ordnung ein — mancher Orts, nicht überall. Ich vermute, dass die Umsetzung dessen einfach zu viel Arbeit bedeutet -> kurze Erinnerung an Wirtschaftsfaktor.

Gibt es hier einen Zusammenhang? Was ich meine? Egal wo ich hinkomme, einen CM-Fan trifft man bestimmt. Für mich unvorstellbar, wie man von solchen Quälereien ein Fan sein kann. Aber gut, jede Seite muss ihre Befürworter haben. Auch ein Martin Rütter hat seine Befürworter. Ich fand den früher auch toll – seine Shows finde ich witzig, er trifft zumeist die Realität und bringt das entsprechend rüber. Aber, dass ist wie bei den Shows in denen es heißt „Bitte nicht zuhause nachmachen!“ – man tut es doch, denn im TV-Training wird das ja so schön aufgestückelt präsentiert und so wird diese 08-15-Trainingsmethode (Rütteldose, Wasser und Dummy) bei jedem Hund anwendbar sein.

Das einzige was gegen diese (TV-)Trainer hilft ist „Aufklärungsarbeit“ und letzten Endes – so schwer es sein mag – die Arbeit an einem selbst!

Der Hund jagt nicht erst von eben auf jetzt – die Anzeichen waren definitiv schon früher da, man wollte sie nur nicht sehen – der Mensch ist hier noch in seiner Komfortzone. Er handelt erst, wenn es unangenehm wird.
Die eigene Rosarote-Brille für den eigenen Hund trägt jeder, aber diese mal abzunehmen ist hilfreich.

Der attackierende Hund hat womöglich wahrhaftig ein Beuteschema und man war in der Hundeschule.
Meine Frage war „Was wurde gemacht?“
Antwort „Es wurde ein paar Mal mit Ketten geworfen und der Hund zeigte keine Reaktion mehr“. Der Name der Hundeschule wurde auch genannt – Datenschutz.

Zu einem anderen jagdlich-ambitionierten Hund:
Frage „Wart ihr in der Hundeschule?“
Antwort „Ja, haben sogar am Wildgehege trainiert. Hund bekam ein Tuch umgehängt in dem der E-Schock versteckt war.“ -> Hund zeigte am Gehege nach ein paar Auslösern keine Reaktion mehr.

Natürlich zeigt der Hund keine Reaktion mehr, der ist doch nicht doof! Man kann diese Verhaltenszüge nicht mit ein paar Ketten und Stromschlägen abschalten/abtrainieren. Stellt ihr Eure (Überlebens-)Bedürfnisse ab? Nein, natürlich nicht. Ich habe mich auch schon an der Herdplatte, an der Pfanne oder am Backofen verbrannt. War blöd für diesen Tag und ggf die Tage danach. Aber tue ich deswegen nicht mehr kochen?! Nein, ich gehe nur bedachter vor – und das tut der Hund auch. Habe sogar schon erlebt, dass einem Hund Signale der Eskalationsstufe abtrainiert wurden. Das war echt fatal! Könnt ihr euch nichts drunter vorstellen? Schaut euch das Bild an …

 

– dem Hund wurde das knurren, Zähne zeigen abtrainiert. Er übersprang diesen Punkt und schnappte sofort. Wieso er das tut? Weil er für das Zeigen dieser Signale bestraft wurde. Aber die Genetik (diese Eskalationsleiter) ist dennoch weiterhin vorhanden. Also überspringt er einfach den Punkt wofür er bestraft wurde.

Zum Thema Strafe: habt ihr gewusst, dass man beim Hundetraining von vier Konditionierungsmöglichkeiten spricht?

Beschrieben anhand Leinenführigkeit
Positive Verstärkung: Hund läuft freudig nebenher / etwas positives wird hinzugefügt = es geht vorwärts und er ist in der Lage seine Umwelt wahrzunehmen

Positive Strafe: Der Hund möchte vorwärts, zieht an der Leine. Es geht nicht mehr vorwärts da die Leine straff ist -> was der Hund will, wird entzogen / etwas positives wird entzogen. Ist die Leine wieder locker, bekommt der Hund was er möchte = es geht vorwärts. Positives Training beinhaltet nicht „Wattebausch werfen“ und den Hund mit Futter vollzustopfen! Die Arbeit beinhaltet die Bedürfnis bzw Motivationsbefriedigung des Hundes. So hat er den Anreiz freudig UND entspannt mitzuarbeiten.

 

Negative Strafe: Hund wird an der Leine geruckt und „korrigiert“ für jedes straffziehen der Leine / etwas negatives wird hinzugefügt

Negative Verstärkung: Die positive Strafe bleibt aus / etwas negatives wird entzogen. Hund achtet nur noch auf seinen Menschen und will ja keinen Fehler machen – damit die Strafe aus bleibt. Ist auch eine Form der Motivation. Denke ich an ein Ereignis während meiner Schulzeit: sitze an Mathe Hausaufgaben, hatte einen Fehler, bekam einen Klaps auf den Hinterkopf – sollte das Denkvermögen steigern. Pustekuchen. Nach x-Klapsern zog ich meinen Nacken ein und saß völlig starr da – ich wollte keine Hausaufgaben mehr machen. Win-Win-Situation? Definitiv nein!

Ist es beim Hundetraining anders? Nein!

 

Lange Rede – kurzer Sinn:

Der Rückwärts Trend ist erschreckend. Die Gesetzesänderung von Paragraph 11 TschG sollte Gutes bewirken. Ich hoffe immer noch, dass es das tut! Aber alleine die Gesetzesänderung wird es nicht sein – vielmehr wir selbst, was wir denken bestimmt unser tun.

Gerade bei Dogwalkern sind die Aufsichten und Regelungen – meines Erachtens – viel zu lasch. Wofür Hundehalter viel Zeit und Energie aufbringen, kann durch falsche / unfachmännische Handhabe zerstört werden. Die Hundepensionen bekommen x-Auflagen und werden behördlich strenger überwacht als Dogwalker. Gehen die Ämter wirklich davon aus, dass sich ein Dogwalker eine Tagesbetreuung oder gar Urlaubsbetreuung entgehen lassen würde und somit riskiert, einen Kunden zu verlieren? Die Frage kann sich jeder selbst beantworten.

 

Wer vernünftiges, artgerechtes Training sucht – im Raum Mannheim und Rhein-Neckar-Kreis – wird hier fündig:

Chico rockt – http://www.chico-rockt.de/

Hunde Nachhilfe – http://www.hunde-nachhilfe.de/

Peace Love Dogs – http://www.peace-love-dogs.de/   – mit Shop 😉

 

Für Hundetagesstätte, -pension und/oder Gassi Service

http://www.villawedel.de/

http://www.dog-walker.de/

http://alle-meine-hunde.de/

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