Woher kommt das?

Ursachen sind in den meisten Fällen:

⁃ Frustration oder

⁃ Unsicherheit / Angst

Die Ursächlichkeit im Verhalten zu erkennen, bedarf es geübten Augen. Denn die Verhaltensweisen sind durchaus ähnlich und dadurch kam es bereits in vielen Fällen zur Fehleinschätzung eines Hundes. In 8 von 10 Fällen handelte es sich bei meinen Kunden um unsichere / ängstliche Hunde, die aufgrund der vorherigen Herangehensweisen sich ein erlerntes Verhaltensmuster angeeignet hatten.

Bei Frustration liegt die Entstehung im Wechsel von Welpen zum Junghund. Als Welpe wurden Hundekontakte forciert / beinahe erzwungen. Dann kommt der Hund in die Pubertät, will wie gewohnt zu anderen Hunden hin und darf es nun nicht mehr – was der Mensch zuvor wollte, wird nun zwanghaft verhindert. Das führt zu Frustration und da Hund an der Leine sich nicht so verhalten kann, wie er es will, benimmt er sich eben an der Leine richtig pöbelnd … weil er es einfach kacke findet.

Bei Unsicherheit / Angst sind die Ursachen nicht so klar. Es kann an mangelnder Sozialisierung liegen, an gemachten Erfahrungen, körperliche Wehwehchen (auch neurologische), …

Was kann man tun?

⁃ Frustration als Ursache

Das Verhalten, welches der Mensch im Welpenalter forciert hatte, ist im Alltag nicht anwendbar – der Hund kann nicht zu jedem Hund hingehen und „Hallo“ sagen. Das liegt auch nicht in der Natur des Hundes. Genauso wenig, dass man straight auf jemanden zuläuft – der Hund würde aus Freundlichkeit einen Bogen laufen. Die direkte Annäherung gehört in der Hundesprache zum Drohverhalten.

Daher legst Du nun den Fokus auf das erwünschte neue Verhalten und arbeitest daran. Bis sich das etabliert hat, dauert es mindestens 6 / 8 Wochen – je weniger Training einfließt und je häufiger das alte Verhalten gezeigt wird, umso länger dauert es.

Hier kann ich Dir das Skript „Grenzen setzen“ empfehlen, findest Du auf meiner Homepage unter Selbstlernkurse.

Ein Hilfsmittel dabei wäre auch das entgegengesetzte Verhalten Deinerseits. Bisher hast Du die Leine immer kürzer genommen, je näher der andere Hund kam und umso mehr Spannung enthielt eure Leine. Wähle nun Örtlichkeiten für eure Gassi Runden, die weite Wege haben und gib Deinem Hund Raum über die Leine von guten 3 Meter. So hat er mehr Möglichkeiten zu agieren und zu reagieren. Denn je kürzer die Leine, umso mehr nimmst Du Deinem Hund die Möglichkeiten, gutes und ausbaufähiges Verhalten zeigen zu können. Führst Du Deinen Hund an der normalen Führleine, ist das von nun an sein privater Bereich, in dem kein anderer Hund etwas zu suchen hat. Kontakt an der Leine ist sowieso nicht empfehlenswert und birgt Risiken.

⁃ Unsicherheit / Angst als Ursache

Nun muss ich aufpassen, dass ich nicht zu weit aushole 🙂

Es gibt genetische Ursachen und die aufgrund mangelnder Sozialisierung, die man nur bedingt beeinflussen kann und die Unsicherheit aufgrund gemachter negativer Erfahrungen. Hier ist ein gutes Auge sowie emphatische Wahrnehmung des Hundehalters gefragt, denn Dein Hund kann in diesem Fall schon Verhaltensweisen anderer Hunde als schlimm / beängstigend einstufen – was für andere noch „normal“ ist. Die Einstellung „Stell Dich nicht so an, so schlimm war das doch gar nicht“ ist hier völlig fehl am Platz! Denn der Hundehalter kann nicht nachempfinden, wie die Situationen für den Hund war und er hat zudem auch kein Recht dazu, jemandem anderen zu sagen wie er sich zu fühlen hat!

Leider treffen wir in unserem Alltag auch auf Menschen, die weniger Verantwortungsgefühl aufweisen … Du kennst die sicherlich auch … freilaufende Hunde und dahinter der Mensch „Der macht nix!“ … das neue Synonym für „Der hört eh nicht auf mich!“ und der Hund knallt volle Kanne in einen rein. Gerade bei kleinen Hunden die regelrecht von den großen überrannt werden, finden das natürlich und verständlicherweise absolut kacke!

Durch Titus wurde ich auf den folgenden Punkt aufmerksam und konnte dies bei weiteren Beobachtungen auch bei anderen Hunden sehen – es spielt hierbei keine Rolle, ob die Unsicherheit genetischer Natur ist oder aufgrund von Erfahrungen entstanden ist:

Hunde differenzieren und verhalten sich entsprechend auch anders, je nachdem ob der entgegenkommende Hund angeleint oder frei läuft. Die unsicheren Hunde sind viel nervöser und angespannter, wenn der andere Hund freilaufend (auch mit Schleppleine) ist. Geht dem ganzen noch eine (hitzige) Debatte voran „Leinen Sie bitte Ihren Hund an.“ und es kommt nur dieses Alpha-Geschwafel „Ich muss meinen Hund nicht anleinen.“

Tja, wo liegt hier der Knackpunkt?

Wir erwarten und setzen voraus, dass unser Hund – der treue Freund in allen Lebenslagen – uns beisteht: er spürt unsere Trauer, kann wahrnehmen ob wir in Gefahr sind oder nicht etc. Doch genau in obiger Situation nehmen wir keine Rücksicht auf das Feingefühl des Hundes? Wenn der Hund des „Alphaführers“ entsprechend „trainiert“ wurde und bei Fehlverhalten entsprechend harte Konsequenzen zu befürchten hat, kann der unsichere Hund diese Anspannung spüren und ggf. auch den Konflikt, den der Hund mit sich trägt. Die Chemie und den Machtkampf zwischen „Alphaführer“ und seinem Hund ist ebenfalls spürbar. Wesentlich entspannter wäre es, wenn man den Hund einfach anleint. Das gibt den Hunden auf beiden Seiten mehr Sicherheit.

Was kann man tun?

Gib Deinem Hund Sicherheit und Raum. Trainiert verschiedene Signale wie „Turn“, das Pendeln, Click für Blick, …

Auch hier sind Grenz Setzungen sehr wichtig! Zeige Deinem Hund, dass Du alles im Griff hast. Sicherheit, Raum, Transparenz und Social Support sind hier die Schlüsselwörter.

Was ich gerade erwähnt habe ist die klassische Vorgehensweise im Begegnungstraining. Je nach Mensch-Hund-Team werden diese Punkte verwendet, ausgefeilt, ausgetauscht etc.. Was ich auch heute noch bis zu einem gewissen Rahmen nutze. Da ich allerdings keine Konditionierungsmaschine haben möchte und zudem einen Hund, der eigenständig Entscheidungen treffen kann – sich souverän verhält, nutze ich das freie Formen. Es fällt dem Hund leichter Dinge zu intensivieren, die er von sich aus anbietet und demnach auch zu ihm passen / wozu er situativ in der Lage ist zu zeigen. Würde ich ihm stattdessen ein Alternativverhalten aufzwingen / überstülpen, sehe es anders aus.

Ein wichtiger Aspekt in diesem Training ist allerdings auch das Verhalten des Hundehalters. Was viele vergessen ist, dass unsere Gedanken das Verhalten beeinflusst bzw. sogar formt. Nenne es „Das Gesetz der Anziehung“ oder „Mindset“ oder … es kommt letztlich das gleiche raus. Um einen neuen Impuls / andere Emotionen zu bekommen im Zusammenhang mit „Hund ausführen“ kann es hilfreich sein, einen anderen Hund auszuführen.

Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, nimm an „Sei deine beste Version“ teil

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!