Manche kennen vielleicht bereits die Hintergründe, wie ich auf den Hund kam und meine ersten Erfahrungen zur „Erziehung“ eines Hundes. Mein Opa trainierte früher die Schäferhunde der Polizei und gab meiner Schwester und mir „Tipps“ wie wir unseren sturen, dickköpfigen Schnauzer erziehen sollten …. Welche Tipps da genannt wurden, lasse ich hier weg – das früher anders trainiert wurde als heute, dürfte jedem klar sein.

Bei diesen Erfahrungen war ich ~ 6 Jahre alt und mein Herz sagte mir, dass ist nicht richtig. Dieses Herz habe ich mir glücklicherweise beibehalten und höre auch heute noch darauf. Problematisch wird es nur bei Leuten, die einen Pfifferling auf die Einschätzung einzelner Menschen geben. Deswegen bin ich inzwischen unendlich froh darüber, dass es seit ein paar Jahren wissenschaftlich belegt ist:

„Hunde sind vergleichbar mit Kindern“

Das Wesen Hund ist für viele oftmals so fremd und scheint unerreichbar. Doch so fern sind sie uns gar nicht. Sie haben die selben Emotionen wie wir. Sie fühlen, denken und kalkulieren sogar, ob sich ein Verhalten lohnt oder nicht. Wenn wir uns diesen Wesen gegenüber empathisch öffnen, finden wir etwas fantastisches und einzigartiges ❤ Denn jeder Hund ist für mich ein Individuum.

Hunde haben genauso ihre Regeln für das soziale Miteinander wie wir Menschen. Ich höre auch lieber eine freundliche, liebevolle Stimme die mir sagt „Verena, das hast du toll gemacht“ anstatt eine aggressive die mir zubrüllt „Verena, welchen Müll hast du nun wieder verzapft?“
Wir alle wollen lieber bejaht und akzeptiert werden so wie wir sind, anstatt ständig korrigiert oder verbessert zu werden. Wird uns das Gefühl vermittelt, wir wären nicht gut genug und machen nie etwas richtig …. Was macht das mit uns? Ja und genauso geht es unseren Hunden.

Es gibt Hunde die stecken viele Verstöße gegen die Regeln des sozialen Miteinander ein. Hunde sind beinahe Meister im Konflikt vermeiden: droht ihnen Schlechtes von Herrchen/Frauchen, dann lassen sie es u.U. und meiden die Situation.
Wenn Du Dir nun mal einen Eisberg vorstellst: den Teil des Eisbergs der oberhalb des Meeres zu sehen ist, das sind die Symptome/das unerwünschte Verhalten Deines Hundes. Daran wird „gearbeitet“ um eben zu verhindern, dass diese gezeigt werden. Der Teil des Eisbergs unterhalb des Meeres – die Ursache für das Verhalten – bleibt dabei völlig unbeachtet. Wenn Du nun ausschließlich an den Symptomen arbeitest, hilft es Deinem Hund langfristig?

Wie wird sich Dein Hund fühlen und was wird er wohl Dir gegenüber empfinden, wenn Du ihn immer wieder in Situationen bringst, in denen er nicht anders kann als das unerwünschte Verhalten zu zeigen und obendrein von Dir keine Sicherheit bekommt – Du erkennst die Signale Deines Hundes nicht, drängst ihn weiter in die Situation und schimpfst mit ihm noch weil er wieder mal das unerwünschte Verhalten zeigte?

Was sagt das über eure Bindung aus? Und nun stell Dir mal vor:
Dein Hund steckt diese Verstöße gegen die Regeln des sozialen Miteinander nicht weiter weg und geht dafür die Eskalationsleiter immer weiter hinauf bis in den roten Bereich … Du hast Deinen Lehrmeister gefunden und endlich Feedback erhalten zu Deinem eigenen Sozialverhalten.
Aber, ohweh, nun heißt es

„Der böse Hund hat plötzlich gebissen!“

In 99,9 % der Fälle stimmt das nicht. Die Signale wurden lediglich nicht erkannt. In den restlichen 0,1% wurden die Signale erkannt, allerdings wurde der Hund dafür bestraft weil er eben diese zeigte wie z.B. Lefzen hochziehen, knurren, …. und durch diese Bestrafungen lernte der Hund, diese Stufen der Eskalationsleiter zu überspringen und landete dann eben tatsächlich direkt im roten Bereich – er schnappt dann worst case auch nicht mehr, sondern beißt direkt zu.

https://www.seinmithund.ch/

In der Pyramide werden auch die 4 Konflikt Strategien angesprochen:
Flirt, Flight, Freeze, Fight.
Diese 4, gerade das flirten und das freeze, wird oftmals fehl gedeutet von uns Menschen und als „Ach guck mal, wie süß“ abgetan bzw. gar nicht erst erkannt. Nun frag Dich mal „Wie oft warst Du für Deinen Hund da, als er einen Konflikt hatte?“
Es gibt natürlich souveräne Hunde, diese werden allerdings nicht als solche geboren – sie werden es erst und mit der Einstellung „Die machen das unter sich aus“ wird Dein Hund garantiert nicht souverän. Bevor ich nun wieder abschweife – zu diesem Thema gibt es genug Blog Einträge 🙂

Zurück zu unserem Thema: Was braucht Dein Hund am meisten?

Akzeptanz und Sicherheit (Halt)

  • Nimm Deinen Hund so an, wie er ist:
    D.h. nicht, dass Du das unerwünschte Verhalten von ihm einfach hinnehmen sollst. Trainiere mit ihm, allerdings fair, transparent und baue das Training so auf, dass er es auch erfolgreich absolvieren kann
  • Bejahe Deinen Hund:
    Nimm Dir die Zeit während euren Gassi Runden oder auch zuhause und achte darauf, was Dein Hund von sich aus richtig macht und bejahe ihn dafür. Gib ihm das Gefühl, dass er der tollste Hund auf Erden ist – öffne Dich Deinem Hund gegenüber und lege Deinen Fokus mehr auf die Dinge, die er richtig macht 💞
  • Sei für Deinen Hund da:
    Wenn Du eine Situation auf euch zukommen siehst von der Du weißt, dass Dein Hund damit Probleme hat, suche eine Alternative um Deinem Hund die Situation zu ersparen. Nutze Managementmaßnahmen um das Vertrauen Deines Hundes in Dich zu stärken – sei ihm der soziale Partner, den er braucht!

Liebe Grüße

Verena mit Fips und Titus

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